In jeder Familie gibt es Streitereien, manchmal werden diese allerdings so heftig, dass sie sich endgültig entzweien. In diesem Fall werden die zerstrittenen Angehörigen dann auch oft enterbt. Natürlich gibt es aber noch den Pflichtteil, auf den nahe Angehörige wie Kinder, Eltern oder Ehe- und Lebenspartner normalerweise einen Anspruch haben, selbst dann wenn sie von dem Erblasser aus dem Testament gestrichen wurden.
Seit Beginn dieses Jahres sind zwar neue Regelungen zum Erbrecht in Kraft getreten, die auch die Pflichtteilregelung betreffen, allerdings ist die grundlegende Regel, dass natürliche Erben Anspruch auf die Hälfte des gesetzliches Erbes haben unberührt geblieben. Dabei handelt es sich allerdings nur um das Recht sich den Gegenwert dieses Pflichtteils in Geld auszahlen zu lassen, alle anderen Werte unterliegen der Regelung im Testament. Natürlich bietet dieser Pflichtteil, wenn er eingefordert wird, wieder jede Menge Zunder für Streitigkeiten unter den Erben. Außerdem ist es für den Erblasser natürlich ein Ärgernis, dass sich im Falle seines Todes eben doch der ungeliebte Angehörige sein Eigentum bekommt. Deshalb verschenken viele Leute zu Lebzeiten Teile ihres Besitzes, um den Pflichtteil zu umgehen. Eine gern genommene Möglichkeit dafür ist eine Lebensversicherung zugunsten der bevorzugten Angehörigen. Dabei liegt der berechnete Pflichtanspruch der enterbten Angehörigen häufig unter dem tatsächlichen Gegenwert der Versicherungssumme. Diesen Weg hat der BGH jetzt versperrt, denn als Berechnungsgrundlage gelten nicht mehr die gezahlten Prämien, sondern der reale Gegenwert der Versicherung im Moment des Todes des Erblassers.